Detail: Gedenkstein für die Brüder Bartholomäus und Johannes Bernhardi an ihrem Geburtsort Schlins (Foto: Rikki Mitterer)

Mit diesem Kapitel endet die Serie Migration im Walgau des Historikers Mainrad Pichler. „Der Zuzug nach Wien kann für manch andere Region zum Problem werden. Viele Studenten kehren nie zurück – es kommt zum innerösterreichischen Brain-Drain, also der 'Abwanderung von Intelligenz'. Erneut am stärksten betroffen: Vorarlberg und Burgenland. Mehr als ein Drittel der Studenten will nicht mehr nach Hause zurück.“ (Die Presse, 14.6.2010)

Detail: Russische Kriegsgefangene wurden als Arbeitskräfte zur Errichtung des sogenannten Russendammes an der Schesa eingesetzt und waren im Gemeindeschuppen von Bürs notdürftig untergebracht. (Foto: Sammlung Josef Concin)

Die Reihe Migration im Walgau des Historikers Meinrad Pichler geht weiter. Gerade im 20. Jahrhundert hat die europäische Politik Probleme und Konflikte produziert. Menschen wurden verschoben, verfolgt und vertrieben. Ganz Österreich und damit auch Vorarlberg war besonders von der Flüchtlingswelle aus Ungarn im Spätherbst 1956 betroffen. Besonders schlecht erging es den gut 200 russischen Kriegsgefangenen im Lager Bürs, die in einem Wildwasserverbauungsprojekt eingesetzt waren.

Video Still "Auswanderungswelle nach Vorarlberg" ORF (4.10.1987)

Die Reihe Migration im Walgau des Historikers Meinrad Pichler geht weiter. Die Vorarlberger Wirtschaft befand sich nach dem Kriegsende 1945 in einer günstigeren Ausgangssituation als die übrigen Bundesländer. Aber bereits seit dem Beginn der 1950er-Jahre fehlte es an Arbeitskräften. Die massenhafte Anwerbung von Arbeitskräften war auch deshalb notwendig geworden, weil immer mehr Vorarlberger:innen wegen der besseren Entlohnung in die Schweiz auswichen.

Mädchenheim Nenzing

Die Reihe Migration im Walgau des Historikers Meinrad Pichler geht weiter. Viele Unternehmen setzten bei der Akquisition auf Personal aus Gebieten, die in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung zurückgeblieben waren. Besonders die Firma Getzner mit ihren Standorten in Bludenz, Bürs und Nenzing setzte nun auf vornehmlich weibliche Arbeiterinnen aus dem italienischsprachigen Tirol...

Foto: Amerikasammlung Pichler

Die Reihe Migration im Walgau des Historikers Meinrad Pichler geht weiter. Nie zuvor in der Geschichte unseres Landes und natürlich auch des Walgaus hat eine umfassendere Bevölkerungsbewegung stattgefunden als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Von den etwa 13.000 Einwohner des Walgaus haben zwischen 1850 und 1914 über 2.000 ihre Heimat verlassen. Davon jeweils etwa 800 in Richtung Amerika beziehungsweise in die Schweiz...

Taufbuch Thüringen: Die Eltern des 1846 geborenen Kindes Johann Jakob Bickel waren der protestantische Facharbeiter J. J. Bickel aus Zürich und die katholische Arbeiterin Theresia Geiger aus Graubünden. Ein typisches Abbild der Arbeiterschaft bei Douglass in Thüringen.

Die Reihe Migration im Walgau des Historikers Meinrad Pichler geht weiter. Ab 1830 erzeugte die mechanisierte Baumwollindustrie nahezu in ganz Vorarlberg eine nie da gewesene Aufbruchstimmung. Die enorme wirtschaftliche Dynamik durch die Industrialisierung hatte eine demografische Mobilität nie gekannten Ausmaßes zur Folge, die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Massenbewegung steigerte.

Jährlich kamen Hunderte von armen Kindern auf den Kindermarkt von Ravensburg, um dort von einem Bauern als Hütekind engagiert zu werden. (Zeitgenössischer Stich aus Gartenlaube).

Die Reihe Migration im Walgau des Historikers Meinrad Pichler geht weiter. Bereits in vorindustrieller Zeit zeigte sich die bäuerliche Bevölkerung unseres Landes, im Süden noch stärker als im Norden, recht mobil. Besonders nach dem Dreißigjährigen Krieg, einer Zeit gesteigerter Bautätigkeit, entwickelte sich ab etwa 1650 besonders in den alpinen Talschaften von Tirol und Vorarlberg eine intensive Saisonwanderung...

Der Hütekindermarkt in Ravensburg fand vor dem Gasthaus Krone statt.

Mit der eigens für unsere Webseite erstellten Reihe Migration im Walgau des Historikers Mainrad Pichler tauchen Sie ein in die Geschichte der demografischen Veränderungen im Walgau. Es wird nur die Zeit beleuchtet, die mit verlässlichen Quellen fassbar ist. In regelmäßigen Abständen erfahren Sie mehr über die Beweggründe  der Zu- und Abwanderungen und die Schicksale der Personen, die ihre Heimat verlassen wollten oder dazu aus verschiedenen Gründen gedrängt wurden.  

Funken, Scheibenschlagen, Fackelschwingen und Feuerräder

  • Freitag, 28. Januar 2022
  • /  Markus Pastella

„Und zu derselben Zeit, in der unser Funke gen Himmel loderte, unsere Fackeln verwirbelten und unsere Hexe in nichts zerstob, flammten in jedem Dorfe, jedem Weiler des Walgaues die Funken empor, und wer von einer Anhöhe, etwa vom lieblichen Mariagrün aus, Umschau hielt, der konnte der Feuer in den Tälern und auf den Höhen nach Hunderten zählen und mußte ob all der wunderbaren Schönheit wohl zu träumen wähnen.“ So beschrieb der in Bludenz gebürtige Volksschriftsteller Josef Wichner in seinem 1893 erschienenem Buch „Im Schneckenhause“ den Funkensonntag im Walgau. Doch warum brennen alljährlich am Sonntag nach Aschermittwoch die Funken und seit wann gibt es diesen Brauch?

Burgruine Jagdberg

  • Donnerstag, 20. Januar 2022
  • /  Markus Pastella
Detail: Palas der Burg, Foto: Böhringer Friedrich - Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5

Die Grafen von Montfort Feldkirch errichteten im 13. Jahrhundert die Burg Jagdberg. Im Frühjahr 1499 brannte das Kastell zum dritten Mal innerhalb von hundert Jahren. Die Eidgenossen verweilten nach der gewonnenen Schlacht bei Frastanz am 20. April noch einige Tage im Walgau, und setzten ihr Zerstörungswerk fort. Um ein weithin sichtbares, flammendes Zeichen ihres Sieges zu setzen, verbrannten sie die Festung. Zwar wurde die Burg Jagdberg wieder aufgebaut, doch sorgten schließlich Wind, Wetter und Vernachlässigung der Eigentümer für ihren endgültigen Zerfall. Seit dem 18. Jahrhundert ist sie Ruine.

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